Dienstag, 19 März 2019
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Zeu­len­ro­da­er Feu­er­wehr taucht ab, um zu hel­fen

Eine Woche lang übt die Tau­cher­grup­pe der Feu­er­wehr Zeulenroda, um im Fall eines Ein­sat­zes als ein­ge­spiel­tes Team agie­ren zu kön­nen

Acht Grad. Null Sicht. Mit jedem Flos­sen­schlag, bei jeder Berüh­rung des Bodens wird der Grund auf­ge­wühlt. Die ein­zi­ge Ver­bin­dung der Tau­cher, die in einem still­ge­leg­ten und geflu­te­ten Stein­bruch in die Tie­fe gehen, ist eine gel­be Lei­ne. Dar­über wer­den sie von einem Kol­le­gen an der Was­ser­ober­flä­che diri­giert. Die Bedin­gun­gen sind zwar alles ande­re als gut, aber per­fekt geeig­net für das ein­wö­chi­ge Trai­nings­la­ger der Tau­cher­grup­pe der Feu­er­wehr Zeulenroda. Denn was die 13 Mit­glie­der hier regel­mä­ßig ein­mal im Jahr üben, müs­sen sie auch im Ernst­fall beherr­schen und blind abru­fen kön­nen.

Es blub­bert. Luft­bla­sen stei­gen auf und ver­tei­len sich in kon­zen­tri­schen Krei­sen an der Was­ser­ober­flä­che. Sonst sind nur eini­ge Bojen zu sehen. Maik Wie­du­wilt, Alex­an­der Wil­helm und Sören Hein­rich pro­du­zie­ren die Bla­sen. Unter Was­ser in etwa zehn Metern Tie­fe ist es ihre Auf­ga­be, den Weg von Boje zu Boje zu fin­den, ohne zu sehen, in wel­che Rich­tung sie müs­sen. Denn dort ist es dus­ter, auf­ge­wühl­ter Schlamm ver­ne­belt die Sicht. „Die ist dort unten gleich null“, sagt Olaf Wer­ner, Lei­ter der Tau­cher­grup­pe der Feu­er­wehr Zeulenroda. Aber genau sol­che Bedin­gun­gen im Trai­nings­la­ger-Tauch­re­vier sei­en per­fekt. Auch ansons­ten ist der still­ge­leg­te Stein­bruch für die Feu­er­wehr­tau­cher bes­tens geeig­net: „Wir stö­ren hier nie­man­den und wer­den selbst nicht gestört. Und wir kön­nen unser Mate­ri­al auch über Nacht hier ste­hen las­sen“, sagt Wer­ner. Das wäre am Zeu­len­ro­da­er Meer nicht mög­lich.

So kön­nen sich die Män­ner und Frau­en kom­plett nur auf das kon­zen­trie­ren, wor­um es beim jähr­li­chen Trai­nings­la­ger geht. Es ist ein Lehr­gang der Lan­des­feu­er­wehr-und Kata­stro­phen­schutz­schu­le Bad Kös­tritz. Im gesam­ten Frei­staat gibt es nur zwei Feu­er­wehr-Tau­cher­grup­pen, eine bei der Berufs­feu­er­wehr Gera und eben die in Zeulenroda. Gera­de gibt es zwei Feu­er­wehr­leu­te in Zeulenroda, die die Aus­bil­dung zum Feu­er­wehr­tau­cher absol­vie­ren. Und die hat es in sich, dau­ert zwei bis drei Jah­re plus min­des­tens eine Win­ter­sai­son, die die Absol­ven­ten bis zur Prü­fung zum Deut­schen Ret­tungs­schwim­mer­ab­zei­chen in Sil­ber, die neben der Aus­bil­dung zum Feu­er­wehr­mann und Atem­schutz­ge­rä­te­trä­ger Vor­aus­set­zung ist, ein­rech­nen müs­sen.

Maik Wie­du­wilt, Alex­an­der Wil­helm und Sören Hein­rich tau­chen auf, zie­hen ihre Mas­ken und Flos­sen aus. Ihren Ein­ge­wöh­nungs­tauch­gang haben sie absol­viert. Nun berei­ten sich André Kneu­pel und Julia Schen­der­lein vor. Kneu­pel geht mit Voll­ge­sichts­mas­ke und einem was­ser- und gas­dich­ten Tro­cken­tauch­an­zug ins Was­ser. Dar­un­ter trägt er war­me Klei­dung, um in zehn Metern Tie­fe bei acht Grad nicht zu frie­ren. Julia Schen­der­lein zieht einen Nas­stauch­an­zug an, legt ihre Druck­luft­fla­sche und einen Blei­gür­tel an. Cir­ca 20 Kilo Gewicht las­ten so zusätz­lich auf ihr. Sie ist zunächst Ersatz­tau­che­rin, falls ihrem Kol­le­gen André Kneu­pel wäh­rend des Tauch­gangs etwas pas­siert. So ist es auch im Ernst­fall. Jeder muss sich auf jeden ver­las­sen kön­nen und die Kom­man­dos ver­ste­hen. „Das ist über­le­bens­wich­tig für uns“, sagt Olaf Wer­ner.

Wäh­rend unter Was­ser alles glatt läuft, muss auch die Kom­mu­ni­ka­ti­on über Was­ser rou­ti­niert abge­spult wer­den – ob es die vom Signal­lein­enge­ber zum Tau­cher ist, der Kon­takt über den Ultra­schall­sprech­funk und zum Tauch­ein­satz­füh­rer oder etwa zu über­ge­ord­ne­ten Kri­sen und Füh­rungs­stä­ben. Auch das Bojen­set­zen und der Umgang mit dem Schlauch­boot mit Außen­bord­mo­tor wird geübt.

Apro­pos Boot: Das ist für einen Tauch­ein­satz vom Was­ser aus eigent­lich nicht geeig­net. Das aber wäre wich­tig, denn eine Signal­lei­ne misst nur 80 Meter, das Zeu­len­ro­da­er Meer ist an der Tal­sper­ren­brü­cke etwa 30 Meter tief. Wenn es dort zu einem Ein­satz aus kom­men soll­te, kön­nen die Zeu­len­ro­da­er Tau­cher vom Ufer aus nur schlecht hel­fen. Eine Neu­an­schaf­fung wäre wich­tig. „Ein drü­cken­des Pro­blem“, sagt Wer­ner, zumal der Bade- und Was­ser­sport­be­trieb auf der Tal­sper­re zunimmt. Aber er ist froh über die Unter­stüt­zung der Stadt ist, die sich eine Tau­cher­grup­pe leis­tet, obwohl dies kei­ne Pflicht­auf­ga­be ist.

Cor­du­la Fischer / 16.08.18

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